Architekturführer Zeche Zollern II/IV
Führungskonzept und Buchveröffentlichung

Holthaus, Katrin:
Architekturführer Zeche Zollern II/IV
Klartext Verlag, Essen 2004.
(gefördert von der Kulturstiftung Dortmund und dem Westfälischen Industriemuseum Dortmund).
Aus der Einleitung:
1898 begann die Gelsenkirchener Bergwerks-AG mit den Bauarbeiten an der heutigen Zeche Zollern II/IV, die schon 1903 den Betrieb aufnahm. Bekannt wurde die neue Zeche zu jener Zeit aufgrund einer technischen Innovation: Die Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG) setzte hier eine der ersten elektrischen Fördermaschinen ein, die speziell für diese Zeche entwickelt worden war und erprobte hier erstmalig den konsequenten Einsatz der elektrischen Energie innerhalb des Zechenbetriebes. Unter diesen Voraussetzungen mußte auch den Gebäuden, die diese Neuerung umgaben, gebührende Aufmerksamkeit gewidmet werden.
So bieten sich drei thematische Schwerpunkte zu genauerer Betrachtung an:
1. Trotz der aufwendigen Architektur lassen Anordnung und Gestaltung der Zechenbauten nachvollziehen, wie technische und funktionale Bedingungen der Förderung und Verarbeitung der Kohle eine Basis der architektonischen Gestaltung bilden. Die Architektur nimmt diese Vorgaben auf, um sie künstlerisch zu bearbeiten.
2. Zollern II/IV vereint zwei Architekturströmungen: Während der vordere Bereich um den Zechenhof historistische Fassaden zeigt, befindet sich im Produktionsbereich hinter der Verwaltung die Maschinenhalle mit Elementen des Jugendstils. Jeder der beiden Stile bearbeitet die funktionale Basis entsprechend den eigenen Architekturauffassungen, so daß sich auf dem Zechengelände der zeitgenössische Wandel vom Historismus zum konstruktiven Bauen schlechthin zeigt.
3. Im Vergleich mit anderen, gleichzeitig erbauten Zechen kann Zollern II/IV als beispielhaft gelten für eine schon seit der Jahrhundertmitte verbreitete Tendenz, aus marktpolitischen Interessen sehr repräsentative Zechenkomplexe zu errichten. Technisch-Funktionales wurde mit Hilfe der architektonischen Gestaltung nicht nur verhüllt, sondern zugleich symbolisch überhöht, um Geltungsansprüche zur architektonischen Darstellung zu bringen. Da Zollern II/IV nur in sehr geringen Maßen Umbauten erfahren hat - auch dies ist selten im Ruhrbergbau - kann an ihrem Beispiel sehr präzise gezeigt werden, auf welche Weise die Architektur diese repräsentative Aufgabe erfüllt und aus welcher Tradition sie sich herleitet.
Aus dem Inhalt:
- Einleitung
- Die technische Disposition der Anlagen
- Die Baugeschichte
- Zechenarchitektur im Überblick
- Die historistische Architektur der Zeche
- Die Platzanlage
- Das Verwaltungsgebäude
- Der Lohnhallentrakt
- Die Lohnhalle: Kunstwirkung und Kunsterziehung in Historismus und
Jugendstil
- Die Maschinenhalle
- Eine kurze Einführung in den Jugendstil
- Die Maschinenhalle innen
- Die Fassade und das Portal des Langhauses
- Der Anbau an die Verwaltung
- Die Fördergerüste
- Die Nebenproduktanlagen
- Ein Fazit


